RHM Module Jagdliche Einrichtungen 23. und 30. Juni

Nicht ohne Grund legt die Rahmenausbildungsordnung zum Revierhegemeister großen Wert auf die Themen im Bereich der jagdlichen Einrichtungen. Mit insgesamt 16 Stunden ist dieses Modul neben den Modulen Schießen, Waffen, Munition, Optik und Wildbewirtschaftung höher gewichtet als andere Themen.

  • Referent Markus Laiblin

    Referent Markus Laiblin

Erstellt am 14.07.2018

Unter Jagdlichen Einrichtungen versteht man sehr vielfältige Einrichtungen, die nicht darauf beschränkt sind, was der Waldbesucher - nämlich die Hochsitze - darunter versteht. Wenn das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) in § 30 (3) regelt: „Das Betreten von Jagdeinrichtungen ohne besondere Befugnis ist nicht zulässig“ so fallen unter diese Regelung auch die Kirrungen, Salzlecken, angelegte Wildäcker, Kunstbauten, Fallen, Marderkästen, Nistkästen für Vögel und Fledermäuse, Insektenhotels und vieles mehr. Markus Laiblin unterteilte die Einrichtungen nach ihrem jeweiligen Zweck: es gibt Einrichtungen (z.B. Kanzel) welche dem Jäger nutzen, und Einrichtungen welche dem Wild dienen (z.B. Kunstbau).

 

Mit jagdlichen Einrichtungen betreibt man Hege, Naturschutz und Jagd. Nistkästen für Vögel und Fledermäuse dienen dabei in erster Linie dem Wild, indirekt aber auch dem Jäger. Wird eine jagdliche Einrichtung mutwillig zerstört, so ist das eine Ordnungswidrigkeit, die kaum verfolgt wird; hängt aber am Hochsitz ein Nistkasten und ist dieser auch noch angenommen so ist dessen Zerstörung ein Verstoß gegen das Naturschutzrecht und damit eine Straftat dessen Ahndung wesentlich öffentlichkeitswirk-samer ist.

 

Markus Laiblin zeigte in seinem Vortrag am 23. Juni zuerst die Ausrüstung, die man zum Anlegen oder Bau jagdlicher Einrichtungen benötigt - angefangen von der persönlichen Schutzausrüstung über Werkzeug, Bodenanker, geeignete Holzarten bis hin zu den verschiedenen Möglichkeiten von Holzschutz.

 

Ein besonderer Schwerpunkt auch nach der Rahmenausbildungsordnung nimmt die UVV 4.4 „Jagd“ ein. „Bei etwa einem Viertel aller bekannten, der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft gemeldeten Unfälle im Jagdbetrieb handelt es sich um Stürze von jagdlichen Einrichtungen. Ursächlich ist zumeist die unsachgemäße Errichtung oder nicht mehr gewährleistete Betriebssicherheit von Ansitzeinrichtungen“ so Laiblin. Anhand von Beispielen wurden die konstruktiven Forderungen der UVV 4.4 für Hochsitze und besonders für Leitern erläutert und eindringlich auf die Dokumentation der Kontrolle der jagdlichen Einrichtungen hingewiesen. Hierzu wurden auch bereits im April - der wichtigste Monat für die Revier-vorbereitung - Muster von Formblättern an die Teilnehmer versandt; denn es gilt der Grundsatz: „nicht dokumentiert ist nicht gemacht!“

 

Nach einem gemeinsamen Mittagessen im „Sulzbacher Hof“ ging es hinaus in die Eigenjagd und den waldbaubetrieb von Markus Laiblin. Da er hier schalten und walten kann fast wie er will konnte er auch eine Vielzahl jagdlicher Einrichtungen zeigen. In gepachteten Jagden muss der Verpächter die jagdliche Einrichtung zwar dulden, Rücksichtnahme ist dennoch geboten.

 

Am 30. Juni trafen sich die Teilnehmer dann im Naturzentrum Rheinauen der Gemeinde Rust, das auch eine hervorragend ausgestattete Holzwerksatt hat. Markus Laiblin, Alexander Schindler, Leiter des Naturzentrums und Peter Bux erläuterten die wesentlichen konstruktiven Merkmale von Vögel- und Fledermauskästen. In zwei Vorträgen wurden die heimischen Vogelarten und deren Verhalten sowie deren Ansprüche an Nistgelegenheiten erläutert.

 

Dann ging es ans Werk. Holz war bestellt, die Baupläne waren verteilt und es konnte gezeichnet, gesägt, gebohrt und geschraubt werden. Jeder Teilnehmer hatte zuvor seine Wünsche äußern können welche Art von Brut- oder Nisteinrichtung er bauen möchte; ganz nach den Gegebenheiten im heimischen Revier. Am Ende des Tages hatte jeder Teilnehmer 3 Nistkästen seiner Wahl gebaut und konnte diese stolz nach Hause tragen. Dort werden diese ihren Platz im Revier finden und ein Beitrag zum Natur- und Wildtierschutz sein!

 

Dass man Nistkästen nicht nur aus zugesägten Brettern sondern auch aus Material, das man im Revier findet machen kann zeigte unser Kursteilnehmer Bruno Hettich. Aus Stammabschnitten sägte er einen Nistkasten zurecht und erklärte wie man das am besten macht. Der Kasten selbst wird eingestochen gesägt (am besten frisches Holz verwenden und mit einer Halbmeißel-Kette sägen - immer auf Sicherheit achten und Schutzausrüstung tragen!!); der Boden stammt vom selben Stamm als dünnere Scheibe abgesägt, der Deckel dann längs gesägt aus einem ca 50% längeren Stammabschnitt. Das Einflugloch wird wie bei den Brettern mit einem Kreisbohrer oder einem Forstner Bohrer in der richtigen Größe ausgesägt.

 

Text und Fotos Hans-Ulrich Endreß

Erstellt am 14.07.2018
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