Urbanes Wildtiermanagement

Immer mehr Städte und Gemeinden in aber auch außerhalb von Baden-Württemberg, wie Böblingen, Freiburg, Waldshut - die Liste ließe sich fortsetzen - haben erkannt, dass es Regelungsbedarf beim Auftreten von Wildtieren in der Stadt gibt.

  • Stadtjäger im Kurs

    Stadtjäger im Kurs

oder - warum man Stadtjäger braucht

Dabei sind die Wildtiere nur ein Teilaspekt der Situation; Haustiere und verwilderte Haustiere gehören ebenso dazu wie Wildtiere, die nicht dem Jagdrecht unterliegen. Die Liste der Haustiere beschränkt sich dabei nicht nur auf Katze, Hund, Kaninchen und Meerschwein sondern umfasst ebenso exotische Tiere wie Spinnen, Amphibien bis hin zum Aligator - zugegeben eine selten auftretende Spezies.

 

Haustiere unterliegen der Regelung der Gemeinden mit Zuständigkeit der Fundbüros sofern es gelungen ist, das Haustier einzufangen.  Die nächste Station ist dann das Tierheim. In einigen Gegenden hat sich hierfür eine Tierrettung etabliert, die sich um diese Fälle kümmert. Verwilderte und kranke Haustiere fallen in den Zuständigkeitsbereich des Veterinäramtes. Bei exotischen Tieren ist es sinnvoll sachverständige hinzuzuziehen, da die Giftigkeit zu klären ist und ggf. für den Notfall ein Gegenserum bereitzuhalten ist.

 

Geschützte Tierarten unterliegen dem Naturschutzrecht mit der Zuständigkeit des kommunalen Umweltamtes bzw. des Umweltministeriums.

 

Im Folgenden wollen wir uns auf die Wildtiere, die dem Jagdrecht unterliegen konzentrieren, da dies das eigentliche Handlungsfeld der Stadtjäger ist. Diese Wildtiere untergliedern sich bekanntermaßen in Baden-Württemberg entsprechend des JWMG in die drei Schalen, Schutzschale, Entwicklungsschale und Nutzungsschale was keinen Einfluss auf die Zuständigkeit des Jagdausübungsberechtigten in einem bestimmten Revier, befriedet oder nicht befriedet, hat. Dies gilt jedoch nur so lange als das Revier auch verpachtet sein muss, was in Innenstädten immer seltener der Fall ist. Innenstädtische Bereiche (Grundflächen) können immer seltener  verpachtet werden oder es ergibt sich aus den Örtlichkeiten, dass eine Verpachtung der Grundfläche als Jagdrevier nicht mehr angezeigt ist.

 

Der Jäger hat natürlich das berechtigte Interesse zu jagen - also  auf einem bestimmten Gebiet Wildtiere im Sinne des § 7 Absatz 1 zu hegen, auf sie die Jagd auszuüben und sie sich anzueignen. (§3(1) JWMG). Dem steht gegenüber § 13(1) JWMG „ ... und in befriedeten Bezirken ruht die Jagd“. Demzufolge gibt es für diese Fläche häufig Sonderregelungen in Pachtverträgen. Ebenso ruht die Jagd in „Grundflächen, die nicht verpachtet sind (§13(1) JWMG).

 

Ist deren Abgrenzung von bejagbaren Flächen hinsichtlich Bewuchs oder Bebauung eindeutig, so ergibt sich meist kein Problem. Auftretende Aufgaben hat die Stadt zu übernehmen. Grenzen die nicht verpachteten Grundflächen aber an bejagbare Reviere an, so besteht Abstimmungsbedarf zwischen Kommune und Jagpächter.

 

Nach heutiger Rechtslage ist aber kein Jagdausübungsberechtigter verpflichtet sich um alle Wildtiere im befriedeten Bezirken zu kümmern, die in seinem Jagdrevier liegen. Verunfalltes Wild wird heute meist von den Jägern entsorgt und gilt als eine Art Vereinbarung zur Übernahme dieser Aufgabe im Gegenzug zum Wegfall der Jagdsteuer - so zumindest in großen Teilen von Baden-Württemberg.

 

Als ersten Ansprechpartner für den Bürger beim Auftreten von Wildtieren im urbanen Bereich sieht das JWMG die unteren Jagdbehörden und dort die Wildtierbeauftragten vor:  „Die unteren Jagdbehörden ( …) sollen ein Angebot für eine fachkundige Beratung und Unterstützung im Umgang mit Wildtieren und in Fragen des Wildtiermanagements bereithalten. Die bei der unteren Jagdbehörde für die Fachberatung zuständigen Personen (Wildtierbeauftragte) sollen die zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderliche berufliche Qualifikation und eine im Bereich des Jagdwesens, des Wildtiermanagements und des Naturschutzes angemessene Sachkunde besitzen…“ (§61 JWMG).

 

In der Praxis wird der Bürger sich aber zunächst an die Polizei wenden, was laut Gesetz so aber nicht vorgesehen ist. Unsicherheit bei der Bevölkerung und den Behörden dominiert weitestgehend die Situation.

 

Nach §48(3) JWMG sollen „Die unteren Jagdbehörden [und hier der Wildtierbeauftragte, sofern es diesen bereits gibt] …. mit anerkannten Wildtierschützerinnen und Wildtierschützern in deren Aufgabenbereich zusammenarbeiten. In diesem Rahmen können die anerkannten Wildtierschützer den öffentlichen Stellen und privaten Personen insbesondere bei Fragen der ( …) und des Umgangs mit Wildtieren im Siedlungsraum und bei Unfällen mit Wildtieren als Ansprechpartner dienen“ wobei „die Wildtierschützerinnen und Wildtierschützer in mehreren Jagdrevieren beauftragt werden können. Anerkannte Wildtierschützerinnen und Wildtierschützer sind im Rahmen ihrer Beauftragung zur Jagdausübung in den jeweiligen Jagdrevieren befugt“ (§48(1) JWMG).

 

Sofern es sich aber um eine Jagdausübung im Urbanen Bereich handelt ist eine zusätzliche, anerkannte und überprüfte Qualifikation der Wildtierschützerinnen und Wildtierschützer zum „Stadtjäger“ nicht nur sinnvoll sondern unerlässlich. Das vermittelte Wissen im Rahmen der Aus- oder Weiterbildung zur Wildtierschützerin oder zum Wildtierschützer  ist für diese Aufgabe sowohl aus Sicht der Jagdausübung, des Tierschutzes, der rechtlichen Rahmenbedingungen und der kommunikativen Fähigkeiten nicht ausreichend oder durch mangelnde Praxis z.B. bei der Fallenjagd, nicht mehr vorhanden.

 

Der Jagd - Natur - Wildtierschützerverband Baden-Württemberg e.V. unterstützt die Bestrebungen der Ministerien und der Verwaltungen für die „Stadtjagd“ praktikable Strukturen aufzubauen und den Rechtsrahmen hierfür zu schaffen. Viele seiner Mitglieder stehen als anerkannte Wildtierschützerinnen und Wildtierschützer für diese Aufgaben zur Verfügung. Klare Regelungen sind für diese Aufgaben hilfreich und vereinfachen die Abläufe. Der Jagd - Natur- Wildtierschützerverband Baden-Württemberg e.V. hat für die Ausbildung zum geprüften Stadtjäger (JNWV) eine Ausbildungs- und eine Prüfungsordnung, angelehnt an die „Jägerprüfung“ in Baden-Württemberg, erstellt.

 

Diese geprüften Stadtjäger (JNWV) sind willens und bereit, diese Aufgaben in Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen und Privatpersonen zu übernehmen. Die Stadtjäger treten dabei auch in Vorleistung was die Anschaffung von geeigneter Ausrüstung betrifft. So sind der Kauf, die Zulassung und ggf. Überprüfung der Fallen stets mit Kosten verbunden, für die Behandlung von krankem Wild sind besondere Ausrüstungsgegenstände und Vorsorgemaßnahen erforderlich, die Wege zu den Behörden sind mit Gebühren verbunden etc. Somit ist auch klar weshalb diese Aufgaben nicht oder nicht immer als Ehrenamt geleistet werden können.

 

Informationen zur Ausbildung „Der Stadtjäger (JNWV) erhalten Sie auf der homepage des Jagd - Natur - Wildtierschützerverband Baden-Württemberg e.V. oder auf Anfrage per Email bei ausbildung@wildierschuetzer-bw.de  (P.S. Der neue Kurs be2018 beginnt am 10. März).

Erstellt am 28.01.2018
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