RHM Modul Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Konfliktmanagement

Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Konfliktmanagement war das Thema zu dem der Jagd - Natur - Wildtierschützerverband e.V. die Teilnehmer der beiden Kurse zum Revierhegemeister und zum Stadtjäger (JNWV-BW) am 24. Juni 2017 nach Deißlingen eingeladen hatte.

  • Dr. Kalkbrenner

    Dr. Kalkbrenner

  • Die Teilnehmer

    Die Teilnehmer

Erstellt am 24.06.2017

Herr Dr. Kalkbrenner, kalkbrenner kommunikation (Freiburg) und Referent des Landesjagdverbandes, sprach zunächst über „Reden im Revier“.

 

Verständigung mache Arbeit, so Kalkbrenner, obwohl wir im Durchschnitt täglich 16.000 Worte sprächen, sei Verständigung Glücksache. Oft ist der erste Eindruck entscheidend und Rollläden gingen oftmals schon vor dem ersten Wort herunter bzw. der Blutdruck hoch. Bis das erste Wort fällt ist zwischen den Gesprächspartnern schon eine Menge geschehen - Körpersprache kann mehr erzählen als wohl überlegte Worte. Für den Erfolg einer Begegnung seien folgende 3 Faktoren entscheidend:

  • Der „Anblick“: Wie ist der erste körpersprachliche Eindruck? Körpersprache schlägt gesprochene    Sprache.
  • Das „Revier“: Wo und unter welchen Umständen findet die Begegnung statt? Für Gespräche gibt    es gute und weniger gute Orte, den richtigen und den falschen Zeitpunkt.
  • Der „Erfahrungsrucksack“: Welche Prägungen, Erfahrungen und Einstellungen bringen die    Gesprächspartner mit? Menschen leben in verschiedenen Welten. Keine zwei Individuen    teilen dieselben Erfahrungen und Glaubenssätze.

 

Wir sprechen, um etwas zu erreichen. Das Gegenüber sollte nach einem erfolgreich geführten Gespräch anders handeln, anders denken oder anders fühlen. Damit das geschehen kann, müssen wir uns ein Gesprächsziel setzen, das wir während des Zuhörens und Sprechens im Auge behalten.

 

Die ersten 3 Gesprächsziele sind: Wahrnehmen und wahrgenommen werden, Beziehungen aufbauen und Pflegen und schließlich Menschen beeinflussen. Ob ein Gesprächsziel erreicht wurde, wissen wir nicht immer sofort. Ob das der Fall ist, weiß der Absender aber erst, wenn ihm der Empfänger das rückmeldet oder entsprechend handelt.

 

Wo sich ein Mensch ungerecht oder unangemessen behandelt fühlt, wo verschiedene Ziele angestrebt oder dasselbe Ziel auf unterschiedlichen Wegen erreicht werden sollen, da entstehen Konflikte. Aus einer Meinungsverschiedenheit kann ein Streit und daraus womöglich ein gewalttätiger Zusammenstoß werden. Wer gut zuhört und geschickt fragt, kann herausfinden, was die Konfliktgegner genau wollen und unter welchen Bedingungen man wieviel davon erreichen kann – bevor die Geschichte eskaliert.

 

Der nächste Schwerpunkt von Dr. Kalkbrenner stand unter der Überschrift: „Was tun die da? - die Jagd erklären“.

 

Jäger sind eine Minderheit. Diese Minderheit führt Waffen, betritt und befährt sonst gesperrte Bereiche und tötet Tiere. Sie kleidet sich anders, fährt andere Autos, führt andere Hunde, pflegt ihr Brauchtum und verständigt sich untereinander in der Waidmannssprache. Eine ziemlich geschlossene soziale Gruppe also. Jäger und Nichtjäger nehmen die Jagd unterschiedlich wahr: Denkt der Nichtjäger beim Thema Jagen zunächst an das Erlegen, so ist dies für den Jäger erst das Ergebnis eines langen Prozesses aus Bürokratie, Revierarbeiten, Wildtiermonitoring, Biotop-Pflege und Schießtraining; gefolgt von Kirren, Pirschgängen und Ansitzen kommt dann das „Waidmannsheil“.

 

Die Wissens- und Verständniskluft zwischen Jägern und anderen Waldnutzern mag mal breiter, mal schmaler sein. Aber sie ist immer vorhanden und die gilt es zu schließen, um Konflikte möglichst im Vorfeld zu vermeiden. Wissensfragen lassen sich durch Fakten beantworten. Anspruchsvoller ist es, wenn es um Verständnis für unser Tun geht.

 

Hier gilt: Bauch vor Kopf. Bevor die Rede auf Zahlen, Daten, Fakten kommt, sind Zweifel, Ängste oder auch Aggressionen des Gesprächspartners anzusprechen. Also das, worum wir am liebsten einen Bogen machen. Ohne das Signal „Ich höre Ihnen zu und nehme Ihre Bedenken ernst“, nimmt kein zweifelnder oder misstrauischer Mensch Argumente entgegen.

 

„Hören Sie Ihrem Gesprächspartner genau zu, lassen Sie ihn ausreden. Fragen Sie nach, ob Sie seine Frage oder seine Bedenken richtig verstanden haben. Und wenn Sie auch längst wissen, dass „es eigentlich ganz anders ist“: Akzeptieren Sie alles was Sie hören als die Meinung eines erwachsenen Menschen. Denken Sie an die Erfahrungsrucksäcke. Die bekommt eben jeder anders gepackt. Signalisieren Sie, dass Sie seine Perspektive nachvollziehen können. Wenn es Ihnen jetzt gelingt, das vermutete Gefühl des Gegenübers ohne Wertung anzusprechen, haben Sie bereits eine Brücke geschlagen. Über diese Brücke können sich dann Argumente, Fakten und Sachinformationen hin und her bewegen. Formulieren Sie dann Ihre Haltung und Ihre Argumente klar und authentisch“, so Kalkbrenner. Bei unterschiedlichen Sichtweisen käme ein konstruktives Gespräch nur in Gang, wenn beide Gesprächspartner das Gefühl hätten, dass der jeweils andere auch die andere Perspektive kenne und akzeptiere. „Machen Sie den Anfang und versetzen Sie sich in die Position Ihres Gegenübers. Teilen Sie ihm mit, dass manches aus seiner Perspektive sinnvoll klingt. Laden Sie ihn dann ein, durch Ihre Brille zu sehen. Besteht Einigkeit, dass keiner ganz falsch liegt, ist der Weg offen für eine Einigung. Möglicherweise einigen Sie sich, dass Sie sich in dieser Frage nicht einigen können. Dem gegenseitigen Respekt sollte dies keinen Abbruch tun“.

 

Der letzte und wohl schwierigste Teil von „Reden im Revier“ war das Thema „Fehlverhalten richtig ansprechen - muss das sein …?“. Wie soll Kritik beim Empfänger wirken? Bei Kritik sei grundsätzlich das konkrete (Fehl-)verhalten als subjektive Wahrnehmung anzusprechen und niemals Kritik an der Person selbst zu üben. So kann der Gesprächspartner reagieren und korrigieren. Eine elegante Art, unerwünschtes Verhalten zu ändern, sei auch der wirklich gut gemeinte Rat. Also nicht das besserwisserische „An Ihrer Stelle würde ich nicht …!“.

 

„Konflikte: Erkennen, einordnen, lösen“ war der zweite Schwerpunkt des Seminars. Konflikte entzünden sich meist daran, dass Menschen oder Organisationen ihre Interessen beeinträchtigt fühlen. Auch wenn Außenstehende keinen Grund für den Konflikt erkennen können, sind Enttäuschung, Ärger, Wut oder Hass real. „Gefühle sind immer richtig“ – sie lassen sich nicht wegdiskutieren.

 

Anhand der neun Stufen der Konflikteskalation nach Friedrich Glasl erläuterte Dr. Kalbrenner wie ein Konflikt verläuft und wie man an welcher Eskalationsstufe regieren kann, um den Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen. Manchmal sei dies aber alleine nicht zu schaffen. Dann ist es angeraten einen Moderator heranzuziehen mit dem Ziel, die Parteien an einen Tisch zu holen.

 

Während des gesamten Seminars gab es eine lebhafte Diskussion über konkret erlebte Begegnungen im Revier oder in der Stadt. Fast jeder konnte aus seinem Umfeld etwas dazu beitragen. Die Schilderungen hatten nicht immer einen gütlichen Ausgang und zeigten deutlich, dass man mit geschickter Kommunikation einige der Konflikte wohl hätte lösen können. Die Tipps von Dr. Kalkbrenner werden dazu beitragen und es ist zu hoffen, dass man sich an diese erinnert - auch wenn man gerade einmal emotional in einer kniffligen Situation ist.

 

Text und Fotos: Prof. Dr. Hans-Ulrich Endreß

 

Erstellt am 25.06.2017
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