Stadtjäger Module 2 und 4

Für Stadtjäger ist es von essentieller Bedeutung zu wissen, welche Wildtiere in der Stadt vorkommen, weshalb diese in die urbanen Bereiche einwandern, ...

  • Dr. Christof Janko

    Dr. Christof Janko

  • Uwe König

    Uwe König

Wildtierkrankheiten und Wildtiere im Siedlungsraum

... welche Lebensbedingungen sie dort vorfinden, weshalb diese so attraktiv sind, dass sie ihre angestammten Lebensräume verlassen und wie die Wildtiere dort leben - denn die Arbeit eines Stadtjägers beginnt mit der Information der Bürger wie man die „Gäste“ vom Zuzug abhalten kann, ihren Aufenthalt weniger angenehm gestalten (vergrämen) kann wenn diese einmal da sind und welche Möglichkeiten es gibt, diese wieder los zu werden wenn alle Überredungskunst gescheitert ist. Jagdliche Methoden sind dann das letzte Mittel wenn „nichts geholfen hat“ (darüber haben wir im Modul 7 - Vergrämen und jagdliche Möglichkeiten im urbanen Bereich berichtet).

 

Die Überpopulation von Wildtieren im Siedlungsbereich führt zu einer schnelleren Übertragung von Krankheiten und so muss der Stadtjäger Kenntnisse über mögliche Krankheiten von Wildtieren haben und wissen wie man diese erkennt oder zumindest wissen wie man mit toten Wildtieren umgeht, um die Wildtierkrankheit bzw. Todesursache bei tot aufgefundenem Wild durch Veterinäre feststellen zu lassen. In Baden-Württemberg haben wir hierfür eine einzigartige Infrastruktur in Form der CVUA.

 

Am 14. und 15. April 2018 wurden diese Kenntnisse im Kulinarium an der Glems den Kursteilnehmern vermittelt.

 

Uwe König, unser Kursleiter und praktizierender Stadtjäger in München moderierte die beiden Module und ließ Erfahrungen aus der Praxis in die Vorträge einfließen, ein Erfahrungsschatz, den man erst nach langer einschlägiger Arbeit erlangt.

 

Geva Peerenboom, Mitarbeiterin von Frau Prof. Storch am Institut für Wildtierbiologie an der Universität Freiburg, stellte große Teile ihrer Forschungsarbeit vor. Seit mehreren Jahren wird ihre Arbeit aus Mitteln der Jagdabgabe finanziert, um den wissenschaftlichen Hintergrund zum Auftreten von Wildtieren im Siedlungsraum zu liefern und Vorschläge zu erarbeiten, wie Bürger und die öffentlichen Stellen damit umgehen können. In Gruppenarbeit erstellten die Teilnehmer Lösungskonzepte für vorgegebene Fallbeispiele, die anschließend allen Teilnehmern vorgestellt wurden.

 

Dr. Christof Janko, Wildtierbiologe und derzeit noch Mitarbeiter des bayrischen Landwirtschaftsministeriums schlug die Brücke von der zunehmenden Urbanisierung der Wildtiere über deren Vorkommen und Lebensräume in der Stadt bis zu den Wildtierkrankheiten.

 

Herr Dr. Ingo Schwabe vom CVUA Stuttgart, eigentlich der erste Referent, setzte den Schlusspunkt zur Diagnostik der Wildtierkrankheiten. Herr Dr. Schwabe stellte seinen Arbeitsplatz vor und berichtete über die Wildtierkrankheiten mit denen wir es als Stadtjäger am häufigsten zu tun haben werden. Er forderte uns ausdrücklich dazu auf, Wildtiere zur Untersuchung in den CVUAs abzugeben. Die Ausbreitung und Häufigkeit bestimmter Wildtierkrankheiten wird dann in den jährlichen Wildtierberichten erfasst, die den Ministerien als Handlungsempfehlungen dienen.

 

Klaus Neubrand hatte aus einem Revier die Innereien von Raubwild, das er als augenscheinlich „gesund gestorbenes Fallwild“ vorgefunden hatte, mitgebracht. Diese Innereien haben wir uns gemeinsam genau angesehen und konnten feststellen, dass auch der genauere Blick keine Krankheiten erkennen ließ - das Fallwild stammte ja auch aus dem Straßenverkehr seines Reviers. Bei tot, ohne Fremdeinwirkung, im Revier oder der Stadt aufgefundenem Wild ist die Abgabe bei einer CVUA angeraten.

 

Text und Fotos Hans-Ulrich Endreß

Erstellt am 23.04.2018
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