Stadtjäger Module 5 und 7

Der zweite Kurs „Der Stadtjäger (JNWV-BW)“ startete mit den beiden Modulen jagdlicher Möglichkeiten im urbanen Bereich am 10. März 2018 bei der Firma Fallenbau Weißer in Schramberg und am 11. März 2018 im Gasthof Adler in Tennenbronn.

Fallen und jagdliche Möglichkeiten im urbanen Bereich

Uwe König und Klaus Weißer hatten die Werkshalle von Fallenbau Weißer in einen Schulungsraum umgebaut und alle Fallentypen zusammengetragen; teilweise auch solche, die die Teilnehmer zuvor noch nie gesehen hatten.

 

Die Teilnehmer hatten dann die Möglichkeit die verschiedenen Fallentypen und ihre Wirkmechanismen kennen zu lernen - von der kleinsten Falle für Mäuse und Ratten über Wieselwippbrettfalle bis hin zur großen Kasten- und Betonröhrenfalle. Fallen verschiedener Hersteller konnten mit einander verglichen und praktisch getestet werden. Connibearfallen verschiedener Größen wurden ebenso getestet wie Eiabzugseisen und der große Schwanenhals.

 

Uwe König erklärte praxisnah auch den Einsatz von Kaninchenfallen beim Frettieren und spezielle Korbfallen für Tauben und Fangnetze für andere Vogelarten. Die Entnahme der lebenden Tiere aus den Lebendfangfallen und deren Transport zu Auffangstationen oder zurück in die Natur waren ebenso Themen wie die Überwachung von Fallen und Fallenmelder.

 

Als praktische Prüfung mussten die Teilnehmer die verschiedenen Fallentypen fängisch stellen wobei besonders auf die Sicherheitsaspekte bei Connibearfallen und Fangeisen gelegt wurde. Wenn auch nicht jeder Stadtjäger mit diesen fallentypen arbeiten wird, so sollte er doch in der Lage sein, diese fachgerecht zu entspannen im Falle, dass er einmal mit dieser Aufgabe konfrontiert sein wird.

 

Abends traf man sich im Hotel Adler zum gemeinsamen Abendessen und tauschte seine Eindrücke und Erfahrungen bis spät in die Nacht aus.

 

Der zweite Tag begann mit einem Vortrag über die Beizjagd im urbanen Bereich. Claas Niehues vom Deutschen Falkenorden war hierzu mit seinem Harris´s Hawk (Wüstenbussard - Parabuteo unicinctus, dem Bussard ähnlich) aus Lüdinghausen bei Münster/Westfalen zu uns in den Schwarzwald gekommen; allerdings nicht sein erster Besuch im Schwarzwald - da er öfter in der Lehrerfortbildung in Bad Wildbad ist kannte er zumindest den nördlichen Teil des Schwarzwald. Claas Niehues bejagt mit seinem Wüstenbussard häufig Kaninchen auf Friedhöfen, da dies eine sehr leise und unauffällige Jagdart ist. Der Harris´s Hawk begleitet ihn dabei fast unauffällig von Baum zu Baum und manchmal auch von einem Grabstein. Sein Hund kommt häufiger auf dem freien Feld zum Einsatz; ein eingespieltes Team das aufmachen und schlagen perfekt beherrscht.

 

Danach übernahm wieder Uwe König und berichtete aus seinem Stadtjäger Alltag in München. Er berichtete von Schulen, Krankenhäusern, Lagerhäuser, Versicherungen und Privatpersonen, die Probleme mit Wildtieren haben - einfache Belästigungen aber auch Gefahr im Verzug; hygienische Beeinträchtigungen bei der Lagerung und Versand von Lebensmitteln aber auch Kurzschlüsse in Notaufzügen.

 

Er ging ebenso auf Vorbeugemaßnahmen wie auf regelmäßig auftretende Notrufe ein. Rückschnitt von Bäumen und Sträuchern, bauliche Maßnahmen - hinterlüftete Fassaden sind ein Alltagsproblem mit Steinmardern, Dachsbauten unter Garagen, Kaninchen auf Sport- und Kinderspielplätzen, Füchse im Schulhof, Füchse mit Räude fast ein Normalzustand. Und immer wieder das Plädoyer nur Aufträge annehmen wenn man weiß um welches Problem es sich handelt - es sind häufig Mäuse in der Wand und kein Marder - und wenn die „Chemie“ mit dem Auftraggeber stimmt. Keine überhasteten Aktivitäten, kein Zeitlimit - Fallenjagd ist eine Frage der Zeit und klappt nicht mit Termindruck. Unauffälliges Auftreten, Hilfe der Polizei, Ausschluss von Schaulustigen und Handy-Verbot, ruhiges besonnenes Handeln, sorgsam gewählte Worte, Kommunikation alles will bedacht sein. Schonzeiten gelten bei Alltagsproblemen auch in der Stadt; da hilft oft nur Vergrämen und keine Sorge, die Fähe holt ihre Jungen auch bei Schallgeneratoren. Die eigene Sicherheit und Gesundheit steht im Vordergrund; persönliche Schutzausrüstung, spezielle Messer, Wildwannen, extra starke Müllsäcke, doppelt verwendet, Kabelbinder - minimieren die Gefahr, Krankheiten zu verschleppen. Immer Nachweise erstellen - und - Stadtjagd ist kein Hobby und keine Gefälligkeit sondern Handwerk - auch zu ortsüblichen Stundensätzen von Handwerkern.

 

Man kann viel von Uwe König lernen!

 

Text und Fotos Hans-Ulrich Endreß

Erstellt am 22.05.2018
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