Distelfink / Stieglitz - Vogel des Jahres 2016

Stieglitz / Distelfink (Carduelis carduelis) - Vogel des Jahres 2016

Erstellt am 08.05.2016

Da sein Lebensraum und der vieler anderer seiner Artgenossen immer stärker zurückgeht, ist der Stieglitz zum Vogel des Jahres 2016 gekürt worden.

Eigentlich stammt der Name Stieglitz aus dem Polnischen, wo er lautmalerisch wegen seines Rufes Szczygiel genannt wird. Der lateinische Name Carduelis spielt auf seine Lieblingsnahrung Distelsamen (carduus, die Distel) an. Deshalb wird er oft auch Distelfink genannt. Früher nannte man den Stieglitz aufgrund seiner bunten Uniform auch Augsburger Nachtwächter.

Kennzeichen

Wie alle Vertreter der Gattung Carduelis haben Stieglitze eine schlanke Gestalt mit vergleichsweise kurzem Hals und dünnen Beinen. Sie erreichen eine Körperlänge von 12 bis 13 Zentimeter und sind damit etwas kleiner als Spatzen. Mit einem Gewicht zwischen 14 und 19 Gramm wiegen sie ungefähr so viel wie zwei Ein-Euro-Stücke. Stieglitze tragen ein auffällig farbenfrohes Gefieder und gehören damit zu den buntesten Singvögeln. Unverwechselbar leuchtet ihre rote Gesichtsmaske auf dem ansonsten weiß und schwarz gefärbten Kopf. Rücken und Brust sind hellbraun, Bauch und Bürzel weiß gefärbt.

Die überwiegend schwarzen Flügel weisen eine deutlich abgesetzte breite, leuchtend gelbe Binde auf. Der schwarzgefärbte Schwanz zeigt an den äußeren zwei bis drei Steuerfedernweiße Abschnitte. Der Schnabel des Stieglitzes ist, wie bei Körnerfressern üblich, kegelförmig, läuft spitz zu und erscheint elfenbeinfarben bis grau-rosa.

Männchen und Weibchen ähneln sich äußerlich zwar stark, lassen sich aber gut an der Ausprägung der roten Gesichtsmaske unterscheiden: Beim Männchen fasst sie den hinteren Rand des Auges beidseitig ein oder ragt darüber hinaus. Die etwas kleinere Maske des Weibchens reicht nicht bis zum Augenrand. Jungvögel erscheinen im Vergleich zu ausgewachsenen Stieglitzen eher braun und weniger kontrastreich. Ihnen fehlt zudem noch die auffällige rote Gesichtsmaske.

Im klimatisch milden Westen seines Verbreitungsgebietes - und damit auch bei uns - lebt der Stieglitz als sogenannter Standvogel, da er das ganze Jahr hindurch in seinem Brutgebiet anzutreffen ist. Seine Artgenossen aus Regionen mit strengeren Wintern hingegen verlassen ihr Brutgebiet während der kalten Jahreshälfte. Als Zugvögel wandern sie im Herbst in wärmere Gegenden und überwintern vornehmlich in Westeuropa. Auch in Deutschland kommen sie aus nord- und osteuropäischen Gebieten gerne als Wintergäste unter.

Am häufigsten kommen Stieglitze in den vom Menschen dicht besiedelten Obst- und Weinbaugebieten Rheinhessens, der Vorderpfalz, des Neckartales und am Rand der Schwäbischen Alb sowie im Alpenvorland und in Berlin vor. Sehr geringe Dichten lassen sich dagegen entlang der Nordseeküste, im Emsland und in den großen, walddominierten Landschaften im Nordosten der Bundesrepublik nachweisen.  

Stieglitze fressen mit Vorliebe halbreife oder reife Samen zahlreicher Stauden, Gräser und Bäume. Die Speisekarte der bunten Finken wechselt dabei im Jahresverlauf. Werden im Winter vor allem Baumsamen verzehrt, ernähren sich Stieglitze während der Brutzeit vornehmlich von Samen milchreifer Korbblütler. Während viele andere körnerfressende Vögel für die Jungenaufzucht auf Insekten umsteigen, füttern Stieglitze ihren Nachwuchs vor allem mit Pflanzensamen. Nur äußerst selten fressen sie tierische Nahrung wie Blattläuse, die sie geschickt von den Pflanzen absammeln. Später im Jahr ernähren sich Stieglitze am liebsten von verschiedenen Distelarten.

Natürliche Feinde

Er ist vor allem durch Nesträuber wie Elster, Rabenkrähe oder Eichelhäher gefährdet. Auch Marder oder Eichhörnchen können Stieglitzgelegen und den Jungvögeln gefährlich werden. Erwachsenen Stieglitzen droht dagegen vorrangig Gefahr durch Greifvögel wie Sperber, Habicht oder Falken, sowie Hauskatzen, die unaufmerksame Tiere während der Nahrungssuche erbeuten.

Quelle und weitere Informationen:

Landesbund für Vogelschutz in Bayern  (http://wiki.lbv.de/stieglitz.html)

Erstellt am 08.05.2016
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